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Zahl: VIId-0504.03-2003/0016

Bregenz, am 25.01.2006

 

 

 

Marktgemeindeamt Rankweil
Am Marktplatz
6830 Rankweil
SMTP:  marktgemeinde@rankweil.at

 

Auskunft:

Dr. Klaus König

Tel: +43(0)5574/511-27464

 

 

Betreff:

Pferdezuchtbetrieb Dünser, Rankweil-Weitried;
Befestigung/Entwässerung von Pferdeboxen und Auslaufflächen;

Vorschlag der technischen Lösung inkl. Beweissicherung;

Bezug:

Bescheid Marktgemeinde Rankweil  Zl.: III- 131/9-965/6 vom 18.Nov. 2004

Anlagen:

 -11- ( davon 4 fotographische Aufnahmen)

 

Stellungnahme inkl. Vorschlag

des gewässerschutztechnischen Amtssachverständigen

 

I. Befund:

Am 18.11.2005 (ca. 13:00 Uhr bis ca. 14:30 Uhr) fand ein Lokalaugenschein statt, dessen Ergebnisse wie folgt zusammengefasst werden:

 

Teilnehmer:

 

§        Herr Markus Dünser, Betreiber

§        Herr Christoph Loacker, Loacker Sport- und Gartenbau GmbH

§        DI Guntram Alge, WPA GmbH

§        DI Johannes Heinzle, WPA GmbH

§        Mitarbeiter der Loacker GmbH

§        Dr Klaus König, Abteilung Wasserwirtschaft - VIId

 

o         Auf Grund der vorliegenden Untersuchungsergebnisse einer Versuchsfläche (Entwässerung/Dränierung von Pferdeboxen im östlichen Bereich, siehe auch Bericht des Unterzeichnenden vom 04.05.2005 sowie Foto 3 bzw. Beilagen – Untersuchungszeugnisse der Böhler Analytik GmbH) kann davon ausgegangen werden, dass der Stickstoffgehalt von Sickerwasser aus Pferdeboxen höchstens (im Falle der Überdachung) im Bereich von 120 mg/l liegt.

Für weitere Berechnungen wird angenommen, dass ein Pferd im Bereich von 10 l/Tag Urin von sich gibt.

 

Bei einer Vollauslastung der gegenständlichen Reit-/ Zuchtanlage (mit rund 60 Pferden) ist somit von einer Stickstofffracht im Bereich von 150 g/Tag bzw. rund 55 kg/Jahr auszugehen. Dabei ist wiederum zu beachten, dass ein beträchtlicher Teil des Urinaustrages über die Auslaufflächen (ca. 4700 m²), sozusagen flächig, stattfindet.

 

o         Anhand der aktuellen Informationen vor Ort ist bezüglich Entwässerung der gesamten Anlage von folgenden Fakten (Werte gerundet) auszugehen (siehe auch ergänzende Planunterlagen):

 

o     Gesamtdachfläche rund 6600 m² (Abflussbeiwert ca. 0,9)

o     Gesamtauslauffläche im Freien, d.h. natürlich „beregnet“, ca. 4700 m² (Abflussbeiwert ca. 0,7)

o     „Offene“ (mit, durch natürliche Beregnung zumindest teilweiser „Auswaschung“ von Urin) „Pedoks“, ca. 450 m² (Abflussbeiwert ca. 0,7)

o   .Niederschlag im Raum Feldkirch: rund 1200 mm/a (kein Verdunstungsverlust)

 

§          Anhand der beregneten Dachflächen (ca. 6600 m2)  und der beregneten Auslaufflächen inkl. Pedoks (ca. 5100 m²) kann anhand der beiliegenden Untersuchungsergebnisse, sowie der überschlägigen Berechnung der WPA GmbH von folgenden Emissions- Werten ausgegangen werden:

 

§      Ca. 11.500 m3 abzuleitendes OF- Wasser (unter Berücksichtigung der entsprechenden Abflussbeiwerte)

§      Gesamt N- Gehalt (wahrscheinlich als Nitrat- N vorliegend) im abzuleitenden OF- Wasser (55 kg/ 11.500 m3) um 5 mg/l.

Somit wäre grundsätzliche eine gemeinsame Ableitung der OF- und Dachwässer inklusive Nutzung im geplanten Löschwasserteich und nachfolgender Ableitung des Überlaufes in ein Oberflächengewässer (wie grundsätzlich schon geplant und genehmigt) möglich.

Hinweis: Bei dieser vorsichtigen Berechnung/ Einschätzung wird davon ausgegangen, dass  die Entfernung/ Abfuhr des Pferdemistes, regelmäßig (normalerweise täglich) erfolgt, sodass Auswaschungen desselben z.B. durch Niederschläge vernachlässigt werden können.

 

o         Nachdem trotz intensiver Recherchen ein Stand der Technik der Entwässerung halbdurchlässiger Oberflächen (wie z.B. beim System „Ecoraster“, siehe Foto 4) im Falle von Pferdeauslaufflächen nicht existiert, wird vor Ort grundsätzlich folgende Vorgangsweise als umwelttechnisch sinnvoll eingestuft und empfohlen:

 

·      Gemeinsame Ableitung von Dachwässern sowie der Freilaufflächen (Oberflächenwässer, Freilaufflächen per Drainage erfasst, siehe Foto 4) zu einem Sammelschacht, vorgeschaltet dem Löschwasserteich.

·      Gemeinsame Erfassung des Sickerwassers der überdachten Boxen inklusive der Pedok’s sowie, von den Oberflächenwässern getrennten Ableitung bis zum vorerst gemeinsamen Sammelschacht (Oberflächen-/ Boxenwässer).

Hinweis: Auf Grund der örtlichen Bodenverhältnisse (weitgehend barrierewirksamer Lehmboden unterhalb der Schüttung der Auslaufflächen, etc.) wird eine Drainagierung oberhalb derselben, d.h. im Kiesbett der Schüttung als gewässerschutztechnisch sinnvoll und ausreichend eingestuft. Der zusätzliche Einbau einer technischen Sperrschicht (Folie, ähnlich der Versuchsfläche Nord, siehe Foto 3, Folie unter den Boxen, Sammelschacht westlich außerhalb) wird anhand der Situation vor Ort nicht als notwendig erachtet.

·      Gemeinsame Ableitung des Wassers aus dem Sammelschacht (in welchem die Oberflächenwässer sowie die Wässer aus den Boxen und den Pedok’s eingeleitet werden) zum Löschwasserteich (als Folienteich ausgebildet), Überlauf desselben in das Gerinne nördlich der Reitanlage.

·      Planliche Darstellung der Entwässerungseinrichtungen inklusive Leitungsführungen/ Dimensionierung/ Material/ Schächte).

 

II. Stellungnahme:

 

Unter Berücksichtigung des Befundes wird die dort beschriebene Ausführung der Entwässerung im vorliegenden Fall als grundsätzlich zweckmäßig und dem Stand der Technik entsprechend eingestuft, wenn folgende Begleitmaßnahmen (zwecks Beweissicherung)  umgesetzt werden:

 

§        Der Sammelschacht für die Dach- und Oberflächenwasser- sowie die Boxen-/ Pedokentwässerung ist so auszuführen, dass eine getrennte Erfassung-/ Ableitung der letzteren in eine nachgeschaltete Sammelgrube nachträglich problemlos technisch möglich ist.

Hinweis: Nach vorsichtigen ersten Überlegungen müsste eine solche Sammelgrube – sofern auf Grund der Beschaffenheit des Sickerwassers aus dem Boxen-/ Pedok-bereich erforderlich – ein Volumen im Bereich von 200 m³ (Speichermöglichkeit für ein halbes Jahr) aufweisen. Eine detaillierte Berechnung müsste allerdings erst im Anlassfall erfolgen.

§        Beprobung/Untersuchung des Speicherteichwassers, zumindest anhand von qualifizierten Stichproben, nach Inbetriebnahme der Anlage. Aus fachlicher Sicht genügt für eine erste Beurteilung die Entnahme/ Untersuchung im 2-Monatsabstand, vorerst auf ein Jahr begrenzt. Anhand der vorliegenden (siehe Beilage) Untersuchungsdaten werden dabei folgende Untersuchungsparameter empfohlen:

 

o       pH-Wert

o       Spezifische Leitfähigkeit

o       CSB

o       Chlorid

o       Nitrat

o       Sulfat

o       Gesamt-Phosphor

o       Ammonium-N

o       Gesamt-N

 

Die Untersuchungsergebnisse sind nach Vorliegen in zusammengefasster (tabellarischer) der Marktgemeinde Rankweil vorzulegen, damit in Absprache mit den Sachverständigen/ der Wasserrechtsbehörde weitergehende Maßnahmen/ Vorgaben, wie z.B. der Bau eines Sammelbeckens formuliert werden können.

 

Aus Sicht des Unterzeichnenden ergibt sich anhand der derzeitigen Fakten (d.h. vor dem Vorliegen der ergänzenden Untersuchungsdaten) übrigens kein Handlungsbedarf für die Wasserrechtsbehörde. Sollte die Behörde allerdings gegenteiliger Auffassung sein, so wird um Mitteilung/ Veranlassung ersucht.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

gez. Dr Klaus König

 

 

  

 

Nachrichtlich an:

 

3.      Agrarbezirksbehörde (ABB), zH Ing. Kurt PETER, Josef-Huter-Straße 35, 6900 Bregenz, via VOKIS versendet

4.      Landwirtschaftskammer für Vorarlberg, Montfortstraße 9-11, 6900 Bregenz, SMTP:  office@lk-vbg.at, z.H. Herrn DI Andreas Weratschnig

5.      Herrn, Markus Dünser, 6832 Röthis, SMTP:  markus.duenser@vol.at, zur vereinbarten Veranlassung

6.      Firma Loacker Sport- u Gartenbau GesmbH & Co, Dreiet 1, 6842 Koblach, SMTP:  Office@laocker-co.com

7.      wpa Beratende Ingenieure GmbH, zH Herr Guntram Alge, Am Kehlerpark 1, 6850 Dornbirn, SMTP:  wpa@wpa.at

8.      Bezirkshauptmannschaft Feldkirch, Abt. II - Wirtschaft und Umweltschutz (BHFK-II), Schloßgraben 1, 6800 Feldkirch, via VOKIS versendet

 

 

Foto 1: Neuer Bereich Reithof Dünser, Blick Richtung Westen, Stand 18.11.05

Foto 2: Detailaufnahme Reithof Dünser, Blick Richtung Westen, Stand 18.11.05;

Ummauerte Bereiche hinter Baggerschaufel sind zukünftige Boxenplätze/ Pedoks.

Foto 3: Reithof Dünser, Boxen östlicher Bereich/ Vorplatz, „Versuchsentwässerung“

Foto 4: Reithof Dünser „Ecoraster“, Freilauffläche östlicher Bereich (östlich der Boxen/ des Vorplatzes lt. Foto 3), Rand-Drainageentwässerung bei Bedarf; 18.11.05